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Zum Buch: Lockwood & Co. – Die Seufzende Wendeltreppe von Jonathan Stroud

Zum Buch: Lockwood & Co. - Die Seufzende Wendeltreppe - von Jonathan Stroud
Um was geht es?

Seit Jahrzehnten wird Großbritannien aus unerfindlichen Gründen von Geistererscheinungen heimgesucht, die für Menschen eine große Gefahr darstellen. Jedoch kommt es nicht den Erwachsenen zu, die Geister zu bekämpfen, sondern den Kindern und Jugendlichen, die noch über die notwendigen, hochsensiblen Sinne verfügen, die hierfür unabdingbar sind. So zählt auch die 15-jährige Lucy Carlyle, aus deren Sicht die Geschichte erzählt wird, zu jenen Agenten, die sich der Aufgabe verschrieben haben, Geister gegen Bezahlung unschädlich zu machen. Auf der Suche nach einer Anstellung landet Lucy schließlich bei Lockwood & Co. Neben Anthony Lockwood, dem charismatischen Inhaber, gehört nur noch George Cubbins dieser kleinen Agentur an. Als ein Auftrag missglückt, steht prompt die Existenz von Lockwood & Co. auf dem Spiel. Da kommt ein lukratives Angebot ganz gelegen – wäre da nicht die Gewissheit, dass es sich um eine Aufgabe handelt, bei der es um Leben und Tod geht.

Meine Meinung

Der Autor hält sich nicht mit langen Vorreden auf. Zum Auftakt des Romans lässt er den Leser an jenem Auftrag teilhaben, der schließlich in einem Desaster endet. Dabei wird sowohl auf das Handwerk der Geisterjäger eingegangen als auch auf die Frage, was es mit den Geistererscheinungen in Großbritannien auf sich hat. Tatsächlich fühlte ich mich anfangs an den Film „Ghostbusters“ erinnert, wobei den Agenten keine High-Tech-Waffen zur Verfügung stehen. Stattdessen müssen sie mit Degen, Eisenkugeln, Eisenspäne, Plomben und griechischem Feuer vorliebnehmen, um sich der Geister zu erwehren, mit denen sie es zu tun bekommen. Umso wichtiger ist es, mit einem eingespielten Team ein solches Unterfangen in Angriff zu nehmen.

All das weiß der Autor – mit den Augen der Hauptfigur Lucy – in einem wunderbar eingängigen Schreibstil zu erzählen, der sich eines reichen, anschaulichen Wortschatzes erfreut. Die düsteren und bedrohlichen Abschnitte wechseln sich gekonnt mit humorvollen Szenen ab; aufgrund der jüngsten Misserfolge und Lucys wiederholten Regelverstößen bekommen sich die Kollegen nämlich immer wieder in die Haare. Dadurch entstehen scharfzüngige Dialoge, die nicht nur viel Witz versprühen. So ist es nicht verwunderlich, dass ich die dreiköpfige Gruppe rund um Lockwood & Co. rasch ins Herz schloss. Was mir ebenfalls außerordentlich gut gefiel, war die gelungene Mischung aus Gruselgeschichte, Kriminalroman und Abenteuer-Erlebnisbericht, die für Abwechslung und Spannung sorgte.

Angesichts dessen fielen die kleinen Schwächen des Buches kaum mehr ins Gewicht, die ich jedoch nicht unerwähnt lassen möchte. So entstand bei mir ab und zu der Eindruck, ein allwissender Erzähler gebe die Handlung wieder, obgleich Lucy die Geschichte erzählte. Dadurch konnte ich mich nur eingeschränkt in Lucy hineinversetzen. Das haben andere Autorinnen wie z.B. Stephenie Meyer oder Johanna Danniger besser hinbekommen. Ansonsten lässt sich nicht leugnen, dass Lucy und ihre männlichen Kollegen angesichts ihres noch jungen Alters äußerst vernünftig auftreten. So kam es, dass ich beim Lesen meistens Erwachsene vor meinem inneren Auge hatte – und keine Teenager.

Fazit

So geht Gruseln heute: Der erste Teil der Buchreihe „Lockwood & Co.“ startet fulminant und hält über weite Strecken das hohe Tempo bei. Die Handlung, das Geistererscheinungsproblem und die Techniken zu dessen Bekämpfung zogen mich regelrecht in den Bann. Deshalb fiel es mir oft schwer, das Buch zur Seite zu legen, weil ich wissen wollte, wie es weitergeht; dafür sorgten auch gelungene Cliffhanger am Ende vieler Kapitel. Zudem ist Lucy mit ihrer Gabe sowie emotionalen Ader die perfekte Identifikationsfigur. Insofern handelt es sich bei „Die Seufzende Wendeltreppe“ um ein großartiges und spannendes Jugendbuch, das ich nur wärmstens weiterempfehlen kann. Fest steht, dass ich unbedingt herausfinden will, wie es mit Lucy und ihren Kollegen aus der Agentur „Lockwood & Co.“ weitergeht.


Hinweis: Diese Kritik habe ich ebenfalls auf LovelyBooks eingestellt.